Arbeitsweise

Wer sitzt bei dir am Steuer?

Stell dir vor, in dir arbeitet ein ganzes Team: die Kritikerin, die Antreiberin, die Perfektionistin, die Erschöpfte. Keine davon ist deine Feindin — jede versucht auf ihre Art, dich zu schützen. Nur sitzt oft die Falsche am Steuer.

Ich arbeite mit IFS (Internal Family Systems) nach Richard Schwartz, kombiniert mit personzentrierter Gesprächsführung nach Carl Rogers sowie Achtsamkeit und Selbstmitgefühl.

Die strengste Stimme ist ein Beschützer

Der innere Kritiker treibt an, kontrolliert und beschämt — damit du bloß nie in die Situation kommst, von anderen beschämt zu werden. Besonders laut wird er bei Menschen, die früh gelernt haben, dass Zugehörigkeit an Leistung hängt: nach viel Kritik, beim sozialen Aufstieg, in Umgebungen mit hohen Erwartungen.

Psychologisch zeigt sich das oft als Imposter-Phänomen: das hartnäckige Gefühl, die eigene Kompetenz nicht verdient zu haben — trotz aller Beweise.

Wie ein Muster entsteht

Vor jeder Lösung steht eine ehrliche Ist-Analyse — im Job würdest du es genauso machen. Wer sie überspringt, löst mit viel Aufwand das falsche Problem. Nichts anderes tun wir hier, nur dass es diesmal um dich geht.

Vieles, was uns schwerfällt, beginnt mit zwei Worten: „Immer, wenn…“ „Immer, wenn mein Chef mich kritisiert, fühle ich mich wie eine Versagerin — und ziehe mich zurück.“ „Immer, wenn mir ein Gedanke an Krankheit kommt, suche ich stundenlang nach Erklärungen.“

Das „immer, wenn“ ist der Hinweis auf ein Muster: Ein Auslöser feuert, sobald eine bestimmte Situation eintritt — und dann läuft ein Programm ab, über das wir kaum Kontrolle haben. Das ist anstrengend, und verständlicherweise willst du es loswerden.

Nur: Bevor wir etwas verändern, entschlüsseln wir das Muster erst. Ich muss dabei an ein Spiel meines Sohnes denken. Er soll auf einem Spielfeld den Weg zu einem Schlüssel finden — mit einer begrenzten Zahl an Schritten. Er muss also effizient sein. Ein Trick dabei: wiederkehrende Schritte zu einem Muster bündeln. So werden aus sieben Schritten einer — wie ein Shortcut.

Genau das tut unser Inneres auch. Das Problem: Die Schritte laufen irgendwann automatisch ab. Wir sind uns ihrer nicht mehr bewusst — und wissen oft gar nicht mehr, wozu welcher Schritt einmal gedient hat. Und schon gar nicht, ob er heute überhaupt noch dienlich ist.

Menschen unterschätzen, wie intelligent ihre Muster sind. — Eldina

Warum Kämpfen nicht funktioniert

Positive Affirmationen, Disziplin, noch ein Zertifikat — all das beruhigt innere Stimmen nur kurz. Denn sie haben eine Funktion. Solange die niemand versteht und übernimmt, geben sie ihren Job nicht auf.

In der IFS-Arbeit gehen wir deshalb in Kontakt mit diesen Anteilen: verstehen, wovor sie dich schützen, und verhandeln neu, wie sie dir helfen dürfen. Das klingt ungewohnt — und ist erstaunlich wirksam. Du bekommst bei mir keine Ratschläge und kein Optimierungsprogramm, sondern echtes Zuhören, eine klare Landkarte für dein Inneres und Werkzeuge für den Alltag.

Kommt dir das bekannt vor?

  • Wenn mir etwas gelingt, denke ich: Glück gehabt.
  • Lob macht mich eher verlegen als stolz.
  • Ich bereite mich übermäßig vor, um bloß nicht „aufzufliegen“.
  • Fehler beschäftigen mich noch Tage später.
  • Ich verbringe viel Zeit damit zu grübeln.
  • Ich fühle mich weniger kompetent, als andere mich einschätzen.

Mehrfach „ja“? Dann arbeitet dein inneres Team sehr hart für dich. Mach den ausführlichen Selbsttest — er zeigt dir, welche Anteile dich gerade führen.

„Das seltsame Paradoxon ist: Wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, erlange ich die Möglichkeit, mich zu verändern.“ — Carl Rogers

Tief — und trotzdem mit Leichtigkeit

Ich arbeite feinfühlig, aber nicht schwer. Humor und Lebendigkeit gehören für mich auch in ernste Themen. Und ich glaube nicht an Selbstoptimierung, sondern an Beziehung: zu den Menschen, mit denen ich arbeite, und zu den Anteilen in uns, die so lange gegen uns zu arbeiten scheinen, bis ihnen jemand zuhört.

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